Arbeitgeber möchte mit SBV einen "Prozess" zum Bewerbungsverfahren festlege (Umgang mit Arbeitgeber)
Ich grüße euch im Forum,
ich bin hauptamtliche SBV in einem Unternehmen der Privatwirtschaft mit 1.200 Mitarbeitenden und ca. 35 Kolleginnen und Kollegen mit Schwerbehinderung/Gleichstellung.
Es geht um die Beteiligung der SBV im Bewerbungsverfahren. Der Arbeitgeber schreibt in der Regel Stellen ohne Bewerbungsfrist aus.
Der AG hat die SBV zum Gespräch mit der Leiterin des Recruitings gebeten. Darin soll besprochen werden:
Die SBV soll Einstellungsverfahren möglichst nicht blockieren, wenn sich spät im Verfahren Menschen mit Schwerbehinderung bewerben, aber bereits ein/e Kandidat/in sich herauskristallisiert hat und man kurz vor Vertragsabschluss steht. Das würde den Unternehmen schaden, wenn man dadurch dann hochqualifizierte Bewerbende verliert, weil doch noch keine Zusage gemacht werden könne.
Die SBV nimmt aus Kapazitätsgründen nicht an allen Gesprächen teil, häufig erst ab dem Moment, in dem Bewerbende mit Schwerbehinderung/Gleichstellung im Verfahren sind. Der Arbeitgeber argumentiert, dass es nicht ok sei, wenn dann die SBV auch noch verlange, dass Gespräche mit Bewerbenden nochmal mit ihrer Beteiligung nachgeholt würden. Eine Nachholung wäre das ja dann auch gar nicht, weil die Bewerbenden, die bereits ein Gespräch hatten, ja bereits wissen würden, was gefragt wird. Sie hätte dann ja einen Vorteil gegenüber dem Bewerbenden mit Schwerbehinderung.
Der Arbeitgeber möchte mit der SBV einen verbindlichen "Prozess" mit einer Prozess-Map abschließen und für das Recruiting Verfahrenssicherheit schaffen. Ich habe einen solchen Prozess abgelehnt, mit Verweis darauf, dass das SGB IX meinen Prozess definiert. Ich stehe auf dem Standpunkt, dass Prozesse mit Interessenvertretungen nur als Betriebsvereinbarung vereinbart werden können, es müsste also der BR involviert werden, auch bei einer Regelungsabrede. Mir ist dabei nicht wohl, mit dem BR gibt es keine solchen Prozessvereinbarungen.
Über eure Erfahrungen und Einordnung würde ich mich freuen, da ich mich aktuell ziemlich unter AG-Druck fühle.