Ein "nein" im Bewerbungsformular entbindet von Prüfungspflichten (Einstellung)

Horst Schultze, Saturday, 07.12.2024, 13:26 (vor 372 Tagen) @ Cebulon

aa) Da­her ob­liegt es dem ab­ge­lehn­ten Be­wer­ber dar­zu­le­gen, dass dem Ar­beit­ge­ber die Schwer­be­hin­der­ten­ei­gen­schaft oder Gleich­stel­lung be­kannt ge­we­sen ist oder er sich auf­grund der Be­wer­bungs­un­ter­la­gen die­se Kennt­nis je­den­falls hätte ver­schaf­fen müssen (Düwell in: LPK-SGB IX 3. Aufl. § 82 Rn. 19). An­de­rer­seits hat der Ar­beit­ge­ber die Er­le­di­gung sei­ner Per­so­nal­an­ge­le­gen­hei­ten so zu or­ga­ni­sie­ren, dass er sei­ne ge­setz­li­chen Pflich­ten zur Förde­rung schwer­be­hin­der­ter Be­wer­ber erfüllen kann. Die für den Ar­beit­ge­ber han­deln­den Per­so­nen sind ver­pflich­tet, das Be­wer­bungs­schrei­ben vollständig zu le­sen und zur Kennt­nis zu neh­men. Ein ord­nungs­gemäßer Hin­weis auf ei­ne Schwer­be­hin­de­rung liegt vor, wenn die Mit­tei­lung in ei­ner Wei­se in den Emp­fangs­be­reich des Ar­beit­ge­bers ge­langt ist, die es ihm ermöglicht, die Schwer­be­hin­der­ten­ei­gen­schaft des Be­wer­bers zur Kennt­nis zu neh­men (BAG 16. Sep­tem­ber 2008 - 9 AZR 791/07 - BA­GE 127, 367 = AP SGB IX § 81 Nr. 15 = EzA SGB IX § 81 Nr. 17). Zwar muss der Be­wer­ber kei­nen Schwer­be­hin­der­ten­aus­weis oder sei­nen Gleich­stel­lungs­be­scheid vor­le­gen, je­doch muss sein Hin­weis so be­schaf­fen sein, dass ein gewöhn­li­cher Le­ser der Be­wer­bung die Schwer­be­hin­de­rung oder Gleich­stel­lung zur Kennt­nis neh­men kann.


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion